Das gemächliche Herz Sichuans
Chengdu ist jene seltene chinesische Megacity, die sich weigert zu hetzen. Die Hauptstadt der Provinz Sichuan mit über 20 Millionen Einwohnern steht seit rund 2.300 Jahren am selben Ort unter demselben Namen — und doch ist ihr prägender Klang nicht der Verkehr, sondern das Klirren der Teetassen in einem Teehaus mit Bambusstühlen. Die Einheimischen sprechen davon, „ein Chengduer zu werden“: langsamer werden, eine unerschöpfliche Tasse Jasmintee bestellen und die Stadt zu sich kommen lassen. Selbstgeführte Audiotouren passen perfekt zu diesem Rhythmus — schlendern Sie mit einem Erzähler im Ohr durch Gassen und Gärten und halten Sie an, wann immer ein Teehaus oder ein Imbissstand lockt.
Pandas, Dichter und die Drei Reiche
Die berühmtesten Bewohner der Stadt sind die Großen Pandas der Chengdu-Forschungsstation für Panda-Zucht, am lebhaftesten zur Frühstückszeit, wenn sie durch den Bambus purzeln. Die Geschichte reicht ebenso tief. Der Wuhou-Tempel ehrt die Helden der Zeit der Drei Reiche, als Chengdu Hauptstadt des Königreichs Shu Han war, während Du Fus strohgedeckte Hütte den Gartenrückzugsort des größten Dichters der Tang-Dynastie bewahrt. Im Jinsha-Museum erwies sich der 3.000 Jahre alte Goldene Sonnenvogel, 2001 ausgegraben, als so eindrucksvoll, dass er zum offiziellen Emblem der Stadt wurde — zu jedem dieser Wahrzeichen gibt es einen Audioguide, der die Geschichte hinter dem Gesehenen erzählt.
Schärfe, Tee und Straßenleben
Chengdu wurde 2011 zur UNESCO-Stadt der Gastronomie ernannt, und ein Bissen Mapo-Tofu oder betäubend scharfer Hotpot erklärt, warum. Kosten Sie sich durch Jinlis laternenbeleuchtete Imbissgasse, bummeln Sie durch die restaurierten Qing-Gassen Kuan und Zhai, schauen Sie den Älteren beim Mahjong über Tee im Volkspark zu — und erleben Sie nach Einbruch der Dunkelheit das Maskenwechsel-Spektakel der Sichuan-Oper. Als Kontrast liegt das weihrauchumhüllte Wenshu-Kloster nur Minuten von den gläsernen Boutiquen von Taikoo Li und der Chunxi Road entfernt.
Jenseits der Stadt
Ein einfacher Ausflug nach Westen führt zum Bewässerungssystem von Dujiangyan, einer dammlosen Ingenieursleistung aus dem Jahr 256 v. Chr., die noch heute die Chengdu-Ebene bewässert, und zum Berg Qingcheng, einer der Geburtsstätten des Daoismus — gemeinsam seit 2000 UNESCO-Welterbe und ein würdiges Schlusskapitel einer Audiotour durch das „Land des Überflusses“.