Cancún ist die unwahrscheinliche Hauptstadt der mexikanischen Karibik — eine Stadt, die vor dem 23. Januar 1970 kaum existierte, als Mexikos Tourismusplaner eine schlangenförmige Sandbank mit gerade einmal drei Bewohnern auswählten und dort eine Urlaubsmetropole aus dem Boden stampften. Ein halbes Jahrhundert später zieht sie Millionen an ihren puderweißen Sand und ihr unfassbar türkisfarbenes Wasser, verbirgt aber weit mehr Geschichte, als ihr Ruf vermuten lässt. Zudem lässt sich die Stadt leicht auf eigene Faust erkunden: Kopfhörer aufsetzen und selbstgeführte Audiotouren von der Maya-Küste erzählen lassen, die sich zwischen den Hotels verbirgt.
Zwei Städte, eine Sandbank
Die berühmte Hotelzone zeichnet eine lange „7“ entlang des Boulevard Kukulcán, eines 22,5 Kilometer langen Bandes zwischen der offenen Karibik und der von Mangroven gesäumten Nichupté-Lagune. Jeder Strand hat seinen eigenen Charakter — ruhige, familienfreundliche Buchten wie Playa Langosta am geschützten Arm und breite, wellenumspülte Strände zum offenen Meer, vor denen regelmäßig Delfine gesichtet werden. Zwanzig Minuten landeinwärts liegt das andere Cancún: El Centro, eine ganz normale mexikanische Stadt, in der die Abende Tacos und Livemusik im Parque de las Palapas bedeuten, Feilschen um Souvenirs im Labyrinth des Mercado 28 und einige der besten günstigen Gerichte der Halbinsel auf dem Mercado 23 der Einheimischen. Ein Audioguide im Ohr macht aus dem Sprung zwischen beiden die Geschichte einer der am schnellsten gewachsenen Städte, die Amerika je gesehen hat.
Maya-Geschichte zwischen den Hotels
Lange vor den Resorts gehörte diese Küste zu einem Maya-Handelsnetz aus Fischern und Salzhändlern. Ihre Spuren überdauern gut sichtbar: Die archäologische Zone El Rey stellt 47 antike Bauwerke — Platz, Tempelplattformen und von Leguanen patrouillierte Fundamente — direkt neben den Boulevard, während das hervorragende Museo Maya de Cancún Funde aus dem gesamten Yucatán zeigt und an San Miguelito grenzt, wo sich ein Dschungelpfad an einer acht Meter hohen Pyramide vorbeischlängelt. Mit einem erzählenden Guide an jeder Station sind die Ruinen keine Fotokulisse mehr, sondern eine tausendjährige Geschichte.
Schon der Name ist Maya — kàan kun, oft mit „Schlangennest“ übersetzt, ein passender Titel für die gewundene Insel, auf der die Hotelzone liegt.
Jenseits des Strandes
Cancún ist außerdem das Sprungbrett zur Riviera Maya: im Süßwasser einer Cenote schwimmen, mit der Fähre zum weißen Sand der Playa Norte auf Isla Mujeres oder zur autofreien Insel Holbox übersetzen und abends ins Coco Bongo zurückkehren, wo Akrobaten bis drei Uhr morgens über die Tanzfläche fliegen. Sonnenverwöhnt, geschichtsträchtig und tiefgründiger, als sie wirkt — Cancún belohnt Reisende, die zuhören.