Jerusalem ist eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Erde — rund 5.000 Jahre Geschichte, geschichtet auf einem Plateau im Judäischen Bergland, 754 Meter über dem Meer zwischen Mittelmeer und Totem Meer. Die Stadt ist Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen heilig und birgt mehr vielschichtige Geschichten pro Quadratmeter als fast jeder andere Ort — genau deshalb lohnt sich hier das langsame Erkunden auf eigene Faust: Schlendern Sie im eigenen Tempo und lassen Sie sich von einem Audioguide die Geschichte jedes Wahrzeichens erzählen, während Sie direkt davor stehen.
Innerhalb der osmanischen Mauern
Die Altstadt — seit 1981 UNESCO-Welterbe — misst hinter den im 16. Jahrhundert von Süleyman dem Prächtigen errichteten Mauern kaum einen Quadratkilometer und umfasst doch vier eigenständige Viertel: das muslimische, das christliche, das jüdische und das armenische. Betreten Sie sie durch das Jaffator neben dem Davidsturm, einer Zitadelle, in der herodianische Fundamente unter Kreuzfahrer- und Mamlukenmauerwerk liegen, und lassen Sie sich von den Gassen zu den Stätten ziehen, die Pilger seit Jahrtausenden aufsuchen. An der Klagemauer, der letzten Stützmauer des Zweiten Tempels, werden handgeschriebene Gebete zwischen Steine gesteckt, die seit Herodes' Zeiten stehen. Darüber krönt der goldene Felsendom den Tempelberg, und die Via Dolorosa führt über vierzehn Stationen durch das muslimische und das christliche Viertel zur Grabeskirche, wo sich sechs christliche Konfessionen die Obhut über Golgota und das Grab teilen. Jeder dieser Orte trägt Jahrhunderte umstrittener, ineinander verwobener Geschichte — genau die Art von Erzählung, die ein Audioguide lebendig macht, während Sie über die Menge hinwegblicken.
Sich zu verlaufen gehört zum Charme: Der Basar entlang der David Street, der freigelegte römische Cardo und die Aussichtspunkte auf den Dächern belohnen jede falsche Abzweigung.
Jenseits der Tore
Das moderne Jerusalem ist weit mehr als Pilgerfahrt. Steigen Sie auf den Ölberg für das klassische Panorama über die goldene Kuppel und die uralten Friedhöfe darunter. In Westjerusalem drängen sich auf dem Mahane-Yehuda-Markt — die Einheimischen nennen ihn nur den Schuk — tagsüber mehr als 250 Stände mit Gewürzen, Halva, Käse und frisch gebackenem Brot; nach Einbruch der Dunkelheit wird er zum Zentrum des Nachtlebens. Das Israel-Museum bewahrt die Schriftrollen vom Toten Meer im Schrein des Buches, während Yad Vashem, die zentrale Holocaust-Gedenkstätte, zu den bewegendsten Museumserlebnissen überhaupt zählt.
Wie lange Sie auch bleiben — Jerusalem offenbart sich in Details: eine abgetretene Schwelle, ein zugemauertes Tor, eine Inschrift in drei Alphabeten. Und am sichersten entdecken Sie sie, wenn Sie mit den Geschichten im Ohr durch die Stadt gehen.