Die Stadt der hundert Türme
Prag zeigt, wie eine große europäische Hauptstadt aussieht, wenn die Geschichte sie verschont. Die tschechische Hauptstadt war eine der wenigen Großstädte Mitteleuropas, die den Bombardierungen der Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts entgingen — und so stehen tausend Jahre gotischer Türme, barocker Kuppeln und Jugendstilfassaden noch immer Seite an Seite entlang der Moldau. Das historische Zentrum — seit 1992 UNESCO-Welterbe — ist kompakt, vielschichtig und wie geschaffen zum Umherstreifen. Genau deshalb lohnt es sich, es mit selbstgeführten Audiotouren zu erkunden: Stellen Sie sich auf eine mittelalterliche Brücke oder unter eine 600 Jahre alte Uhr, drücken Sie auf Play und hören Sie, wie sich die Geschichte vor Ihnen entfaltet.
Von einem Kaiser geprägt, von einer Revolution befreit
Prags goldenes Zeitalter kam im vierzehnten Jahrhundert unter Kaiser Karl IV., der die Stadt zu seiner Reichshauptstadt machte und ihr vieles von dem gab, weswegen man heute kommt: die Karls-Universität (gegründet 1347, die älteste Mitteleuropas), die Neustadt und die steinerne Brücke, die seinen Namen trägt — ihr Grundstein wurde 1357 gelegt, und ihre Bögen säumen heute barocke Heiligenfiguren. Sechs Jahrhunderte später schloss sich der Kreis auf dem Wenzelsplatz, wo die Samtene Revolution von 1989 die kommunistische Herrschaft friedlich beendete; die blumengeschmückte Lennon-Mauer auf der Kleinseite trägt diesen Geist des stillen Widerstands bis heute.
Was Sie erwartet
Überqueren Sie die Karlsbrücke im Morgengrauen, wenn die Statuen aus dem Flussnebel auftauchen — reiben Sie die Tafel des heiligen Johannes von Nepomuk, wie es Generationen vor Ihnen getan haben, es soll Glück bringen. Steigen Sie hinauf zur Prager Burg, einer der größten alten Burganlagen der Welt, wo die Türme des Veitsdoms die Silhouette krönen. Auf dem Altstädter Ring reihen Sie sich in die Menge unter der Astronomischen Uhr ein — 1410 installiert und bis heute die älteste noch laufende der Welt —, wenn ihr stündlicher Apostelumzug beginnt. Tauschen Sie dann das Gedränge gegen die stillen Wälle des Vyšehrad, Prags anderen Burgberg, oder suchen Sie das Tanzende Haus auf, den verspielten modernen Kontrapunkt der Stadt. Jedes Wahrzeichen hat einen Audioguide, der seine Geschichte in Ihrem Tempo erzählt — ohne Gruppe, ohne Zeitplan.
Warum hinfahren
Kaum eine Stadt packt so viel in einen so fußläufigen Kern: Bierkultur von Weltrang, erschwingliche Klassikkonzerte und Straßen, in denen sich hinter jeder Ecke ein weiterer Turm erhebt. Kommen Sie in der Nebensaison, starten Sie früh — und lassen Sie sich die Stadt von ihr selbst erzählen.